Brückenbauer des Geschmacks: Eine Entdeckungsreise durch die Côtes de Bordeaux

Brückenbauer des Geschmacks: Eine Entdeckungsreise durch die Côtes de Bordeaux

Als Sommelier und Weinhändler ist man ständig auf der Suche nach dem Besonderen – nach Weinen, die nicht nur handwerklich perfekt sind, sondern auch eine Geschichte erzählen und ein unschlagbares Verhältnis von Qualität und Preis bieten. 

Vom 22. bis 27. Juni führte uns eine exklusive Delegationsreise genau dorthin, wo das traditionelle und das moderne Bordeaux eine faszinierende Symbiose eingehen: in die Hügellandschaften der Côtes de Bordeaux. Eine Woche voller intensiver Fachgespräche, tiefer Einblicke in die Weinberge und hochkarätiger Verkostungen liegt hinter mir.  

Die Appellationen der Union des Côtes de Bordeaux – Blaye, Cadillac, Castillon, Francs und Sainte-Foy – erstrecken sich wie ein schützender Gürtel entlang der Flüsse Garonne und Dordogne. Sie stehen für charakterstarke Gewächse, die oft noch als echte Geheimtipps gehandelt werden.  

Der Auftakt: Ein Gipfeltreffen der Appellationen

Die Reise begann am Montag im geschichtsträchtigen Bordeaux, dem pulsierenden Herzen der Region. Nach der Ankunft im Hilton Bordeaux Saint Jean bat die Union zum offiziellen Welcome-Dinner im Restaurant Chez Babette

Es war weit mehr als ein kulinarischer Einzug: Unter der Leitung von Cyril Noël (Präsident der Union) und dem fundierten Fachwissen von Baptiste Delamare von der Bordeaux Wine School wurden wir tief in die unterschiedlichen Terroirs eingeführt.  

Besonders wertvoll war der direkte Austausch mit den Präsidenten und Vertretern der einzelnen Appellationen – darunter Nicolas Carreau (Blaye), Thomas Guibert (Castillon), Paul Gonfrier (Cadillac), Renaud Limbosch (Francs) und Sacha Sokoloff (Sainte-Foy). Sie alle eint die Leidenschaft, das enorme Potenzial ihrer kalk- und tonreichen Hanglagen für die Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc international noch bekannter zu machen.  

Am Dienstag folgte der geschäftliche Marathon: Das „Grand Tasting“ im Pullman Bordeaux Lac Hotel. 35 ambitionierte Winzerinnen und Winzer präsentierten in intensiven B2B-Meetings ihre aktuellen Jahrgänge. Für mich als Händler eine unschätzbare Gelegenheit, das qualitative Spektrum der Region an einem einzigen Tag systematisch zu analysieren. Am Abend ließen wir die Eindrücke bei einem hervorragenden Dinner im BIG Bistrot Girondin in der Innenstadt von Bordeaux Revue passieren.  

Tief im Terroir: Cadillac und die Hänge der Garonne

Am Mittwoch verlagerte sich das Geschehen direkt in die Weinberge. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bordeaux brachte uns der Coach nach Cadillac-sur-Garonne zur Maison des Vins de Cadillac. Cadillac steht für kraftvolle und zugleich elegante Rotweine und edelsüße Weißweine, die stark vom Mikroklima des Flusses beinflusst sind.  

Der Nachmittag war von purer Praxis geprägt: In den Autos der Winzer ging es direkt in die Rebzeilen. 

Zwei intensive Sessions von Weingutsbesichtigungen machten das Terroir spürbar. Wenn man den kalkhaltigen Tonboden selbst in den Händen hält und die Rebstöcke sieht, versteht man die Frische und Struktur der Weine noch einmal ganz neu. Den perfekten kulinarischen Ausklang fand dieser Tag im Restaurant La Maison Georges im malerischen Rions.  

Die Vielfalt des Ostens: Castillon, Francs und Sainte-Foy

Der Donnerstag verlangte uns ein straffes, aber hochspannendes Programm ab. Früh morgens startete die Delegation in Richtung der östlichen Appellationen. Castillon ist bekannt für seine direkten Nachbarschaftsbeziehungen zu Saint-Émilion und bietet oft opulente, lagerfähige Merlots zu einem Bruchteil des Preises. Francs und Sainte-Foy hingegen gelten als die intimen, feinen Juwelen im Osten der Region.  

In insgesamt vier aufeinanderfolgenden, perfekt getakteten Besichtigungsrunden sprangen wir von Weingut zu Weingut. Der logistische Knotenpunkt war der Marktplatz in Castillon-la-Bataille, von wo aus uns die Winzer tief in ihre Keller entführten. Jeder Betrieb zeigte eine andere Handschrift – von traditionell-holzbetont bis hin zu hochmodernen, fruchtbetonten und biodynamischen Ansätzen. 

Das anschließende Abendessen im Restaurant Cématable in Belvès-de-Castillon spiegelte die bodenständige und zugleich anspruchsvolle Küche der Region wider.  

Das Finale in Blaye: Tradition trifft Zukunft

Der Freitag war ganz der Appellation Blaye Côtes de Bordeaux gewidmet. Als Kulisse diente die majestätische Zitadelle von Blaye, die als UNESCO-Weltkulturerbe über der Gironde thront. Nochmals absolvierten wir vier intensive Runden von Weingutsbesuchen im gesamten Anbaugebiet. Blaye fasziniert durch seine enorme Vielfalt: Neben den fruchtigen, zugänglichen Rotweinen entstehen hier auch herrlich frische, aromatische Weißweine aus Sauvignon Blanc, die im Sortiment eines jeden guten Weinhändlers einen festen Platz verdienen.  

 

Der krönende und emotionale Abschluss der Reise fand auf Château Haut Bourcierin Saint-Androny statt. Nach einer geführten Tour und einer letzten Fachverkostung kamen beim großen Abschieds-Cocktail-Dinner noch einmal die Winzerinnen und Winzer aller fünf Appellationen zusammen. Es war ein Fest der Begegnung, des Teilens und des gemeinsamen Optimismus.  

Mein Fazit als Sommelier für unsere Weinhandlung

Mit dem Check-out am Samstag endete eine logistisch meisterhaft organisierte Reise (ein großes Lob an das Koordinationsteam um Cécile Huvé, Denis Tirrel und Tom Simon)

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Côtes de Bordeaux dynamischer sind denn je. Hier arbeitet eine neue Generation von Winzern, die das Erbe ihrer Väter mit modernem Know-how und großem Respekt vor der Natur weiterentwickelt. Für uns Weinhändler und Sommeliers sind diese Appellationen eine wahre Goldgrube: Sie bieten genau die authentischen, herkunftsgeprägten Weine, nach denen anspruchsvolle Genießer heute suchen.

Freuen Sie sich darauf – einige dieser Neuentdeckungen werden schon ganz bald den Weg in unsere Regale finden!




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