Sektsteuer 2027: Eine Steuer mit kurioser Geschichte – und warum sie jetzt wieder steigt

Sektsteuer 2027: Eine Steuer mit kurioser Geschichte – und warum sie jetzt wieder steigt

Manchmal schreibt das Leben die kuriosesten Geschichten. Oder wussten Sie, dass wir in Deutschland bis heute eine Steuer bezahlen, die ursprünglich eingeführt wurde, um... die Kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren?

Die Schaumweinsteuer wurde 1902 unter Kaiser Wilhelm II. eingeführt. Mit ihr sollte der Ausbau der deutschen Marine bezahlt werden. Die Flotte ist längst Geschichte, die Steuer dagegen hat mehr als 120 Jahre überlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zwar zwischenzeitlich abgeschafft, 1939 jedoch wieder eingeführt – und seitdem nie wieder.

Nun steht die nächste Erhöhung an.

Ab 2027 wird Sekt teurer

Die Bundesregierung erhöht die Schaumweinsteuer sowie die Alkoholsteuer auf Spirituosen um 20 Prozent.

Für eine 0,75-Liter-Flasche Sekt bedeutet das:

  • Schaumweinsteuer bisher: 1,02 €
  • künftig: rund 1,22 €
  • inklusive Mehrwertsteuer verteuert sich eine Flasche um etwa 24 Cent.

Betroffen sind alle Schaumweine mit mindestens 3 bar Kohlensäuredruck und mehr als 6 Vol.-% Alkohol – also unter anderem Sekt, Champagner und Prosecco Spumante. Auch Obst- und Fruchtschaumweine werden entsprechend höher besteuert.

Wofür wird die Steuer heute verwendet?

Anders als zu Zeiten Kaiser Wilhelms fließt die Schaumweinsteuer heute nicht mehr zweckgebunden in ein bestimmtes Projekt. Die Einnahmen gehen – wie die meisten Verbrauchsteuern – in den allgemeinen Bundeshaushalt und finanzieren damit sämtliche staatlichen Ausgaben, von Infrastruktur über Soziales bis hin zu Verteidigung und Zinszahlungen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes brachte die Schaumweinsteuer zuletzt rund 326 Millionen Euro ein. Durch die Erhöhung rechnet die Bundesregierung mit zusätzlichen Einnahmen zwischen 400 und 455 Millionen Euro aus den höheren Alkoholsteuern.

Offiziell wird die Steuererhöhung auch mit gesundheitspolitischen Zielen begründet. Weniger Alkoholkonsum soll langfristig gesundheitliche Folgekosten senken.

Warum bleiben Wein und Bier außen vor?

Interessant ist dabei, dass Wein und Bier von der Steuererhöhung ausgenommen sind. Beobachter sehen darin auch eine wirtschaftspolitische Entscheidung. Beide Branchen kämpfen seit Jahren mit rückläufigem Konsum und schwierigen Marktbedingungen. Zusätzliche steuerliche Belastungen hätten ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter geschwächt.

Unser Fazit

Ob man die Erhöhung nun als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung oder als Lenkungsinstrument für den Alkoholkonsum bewertet – bemerkenswert bleibt, dass eine Steuer, die einst den Bau von Kriegsschiffen finanzieren sollte, mehr als ein Jahrhundert später immer noch existiert.

Für Genießer bedeutet das schlicht: Ab 2027 werden Sekt, Champagner und Prosecco Spumante ein kleines Stück teurer. Vielleicht also ein guter Anlass, den einen oder anderen besonderen Tropfen noch heute zu genießen.


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