Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen: Das Burgenland

Wir sind Genießer, durch und durch. Lieben Dinge, die das Leben lebenswert machen. Musik mit Gänsehaut-Feeling, Essen das schmeckt, Wein der begeistert. Im Grunde alles kleine „Auszeiten“ vom Alltag mit großer, positiver Wirkung. Eine derartige „Auszeit“ gab’s für mich erst kürzlich in der Herkunftsweingebiet Neusiedlersee DAC, dem östlichsten Weinzipfel Österreichs und zugleich UNESCO Welterbe Region. Auf Einladung der Herkunftsweinvereinigung Neusiedlersee DAC reisten wir in die – selbstgenannte – Herkunft großer (Süß)weine und Heimat des Zweigelt.

Vor unserer Reise verband ich primär drei Dinge mit dem Burgenland und dem Neusiedlersee: Zuallererst unseren Winzer Hannes Haiden, mit dem wir schon seit 10 Jahren zusammenarbeiten und der sehr schöne geradlinige Weine kreiert. Dieses Jahr unter anderen wieder seinen feinen Zweigelt Reserve. Und sein Rosé hat bei uns in Hamburg schon Kultstatus erlang. Vom Preis- Genussverhältnis sensationelle Weine. Hannes hat sein Weingut in Oggau, was sich auf der rechten Seite des Neusiedlersees befindet.

   

Nun galt es also, den anderen Teil des Sees – sprich den  Neusiedlersee DAC – weintechnisch zu durchleuchten. Und hier war mir hauptsächlich der Pannobile bekannt. Dies ist ein auf 1994 zurückgehender Zusammenschluss von heute neun Winzer*innen mit dem Ziel, Weine als qualitatives Spiegelbild des Bodens und vor allem des speziellen Mikroklimas der Region in die Flasche zu bringen. Im roten Rebsortenfokus stehen dabei seit 2006 ausschließlich die heimischen Rebsorten Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent.

Und als drittes hatte ich die angenehmen Süßweine mit Ihrer hohen Qualität noch in Erinnerung. Meines Erachtens können nur wenige Regionen der bisher bekannten Weinwelt den Süßweinen vom Neusiedlersee qualitativ das Wasser reichen, wenn man es so nennen will. Nach der jetzigen Reise muss ich jedoch um ein neues „Ding“ ergänzen: den herkunftstypischen Zweigelt Neusiedlersee DAC.

DAC. Diese Abkürzung steht für „Districtus Austriae Controllatus“ und kennzeichnet seit 2002 besonders herkunftstypische Qualitätsweine. Wenn Sie also auf einem Weinetikett unmittelbar nach dem Namen des Weinbaugebiets die Buchstabenkombination „DAC“ lesen (z.B. Weinviertel DAC), so haben Sie einen für das Gebiet besonders aussagekräftigen Qualitätswein vor sich. Aktuell gibt es 15 DAC-Gebiete in Österreich. Bei der Definition der besonders herkunftstypischen Rebsorten orientierte man sich nach der oder den Leitsorten der jeweiligen Regionen. Im Herkunftsweingebiet Neusiedlersee DAC ist dies der Zweigelt, eine ur-österreichische Rotweinrebsorte. Diese 1921 entstandene Kreuzung aus Blaufränkisch x St. Laurent spielt mit 24% der Anbaufläche die erste Geige des mit großer Sortenvielfalt begünstigten Weinbaugebiets Neusiedlersee, dass sich von Neusiedl am See bis in den östlichsten Zipfel des sogenannten Seewinkel erstreckt. Seit dem Jahrgang 2011 firmiert diese für das Gebiet so wichtige Rebsorte als geschützte Marke „Neusiedlersee DAC“. Alle Weine, die solcherart bezeichnet werden, müssen sich bei kommissionellen „Blindverkostungen“ als Qualitätsweine mit gebietstypischen Charakter behaupten.

 

Zugänglich. Vielfältig. AUThentisch. Wie das Land, so sein Wein. So lautet eine der zentralen Botschaften der Herkunftsweinvereinigung Neusiedlersee DAC. Zurecht, wie ich nach meiner Reise sagen kann. „Zugänglich“ ist hierbei jedoch so eine Aussage, die so manchen Weinfreak durchaus skeptisch die Augenbraue heben lässt. Bei mir überwiegt jedoch die Zustimmung. Klar, die fruchtbetonte (Kirsche, rote Beeren), harmonische Stilistik der klassisch ausgebauten Neusiedlersee DAC Zweigeltweine wird selten Anlass zu stundenlangen weinphilosophischen Gesprächen geben.

Ausnahme sind hier jedoch die Weine vom Weingut Pöckl. Hier kommt die individuelle Note des Winzers zum Vorschein. All seine Weine sind etwas fülliger, körperbetonter und kräftiger, ohne dabei an Eleganz zu verlieren. Wer hier nicht ins Schwärmen kommt und anfängt zu philosophieren….ist  Biertrinker.

   

Aber in Gänze will der Zweigelt dies  gar nicht. Er will mit Freude getrunken werden – im Sommer auch schon mal leicht gekühlt. Zweigelt kann das. Andere weniger. Und die steigenden Produktionsmengen – unter Berücksichtigung erntebedingter Schwankungen – sprechen hierbei deutlich für die Akzeptanz dieses fruchtbetonten Zweigelt beim Konsumenten. Wer den ausdrucksstarken, vollmundigen und körperreichen Weinstil bevorzugt, der findet sicherlich Gefallen und Geschmack an den Neusiedlersee DAC Reserve-Weinen, welche in Holzfässern respektive Barriques geschult werden und eine entsprechende Reifezeit aufweisen. Ein weiterer Grund, warum mir – dem passionierten Hobbykoch – ein Neusiedlersee DAC Zweigelt noch Freude bereitet ist seine Vielfältigkeit als Speisenbegleiter. Diese Aufgabe erfüllt er nämlich mit großer Bravour! Während die eine oder andere Rebsorte die „richtige“ Speise als Begleitung zur Entfaltung benötigt, so ist’s beim Zweigelt eigentlich so wie es sein sollte: er begleitet die Speise und nicht umgekehrt. Auch so ein Pluspunkt auf seiner Habenseite.

Doch nun wieder zurück zu meiner „Auszeit“ und meinen Eindrücken dieser Reise. Von den aktuell gut 110 Neusiedlersee DAC Mitgliedsbetrieben durfte ich gut 20 erkosten. In weiß, rot und süß. Denn in dieser Region gedeiht alles. Selbst der Grüne Veltliner, wenngleich in einem deutlich wärmeren Geschmacksprofil und ohne dem – gemäß Weinviertel & Co. – typischen „Pfefferl“. Macht aber nichts. Geschmeckt hat dennoch so einiges, auch abseits des Neusiedlersee DAC Zweigelts. Hier erinnere ich mich äußerst positiv an drei Winzer, die wirklich hervorstachen.

Zu aller erst ist der junge, erst 25jährige Alexander Egermann zu nennen. Durch die Bank weg erstklassige Weine mit Charakter und gutem Trinkfluss. Nichts übertrieben verspieltes. Geradlinig und ehrlich wie er selbst. Im 2018 Zweigelt zeigt er seine Klasse. Und mit dem Cabernet und dem Chardonnay Reserve zeigt er zudem, dass er auch die internationale Klaviatur beherrscht. Ein Winzer, den wir versuchen werden in unser Programm mit aufzunehmen.

   

 

Dann hat uns auch der Jungwinzer Andreas Ziniel sehr gut gefallen. Neben dem klassischen sehr gut ausgebauten Zweigelt, sind uns seine Weiß- und Grauburgunder, als auch der Chardonnay Heulage noch angenehm im Gedächtnis.

Vielfältig. Was ich auch erleben durfte war ein hervorragendes Niveau der Gastronomie des Gebiets. Zu den Highlights zählen etwa die Blaue Gans in Weiden (Küchenchef Oliver Wiegand bereitet uns ein herrliches Menü in Form eines „Private Dinings“ im neuen Weingut der Familie Allacher am Golser Salzberg – mit großzügiger Terrasse und herrlichstem Weitblick – gelegen zu), Das Fritz in Weiden oder die idyllisch am Seeufer gelegene Mole West in Neusiedl. Etwas dass man als Besucher dieser Region auch unbedingt machen sollte ist der Besuch des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel sowie eine Bootstour am See (machten wir auch). Selten hat eine „Auszeit“ vom Alltag so nachhaltig Spuren bei mir hinterlassen. Und ganz gewiss kann ich hier schreiben: nicht nur „Fachleute“ sind in der Region herzlich willkommen. Die heimischen Winzer gehören zu den wahrlich besucherfreundlichen – für Jedermann und Jedefrau.

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