Weine für die Ewigkeit!

Auf der Blumeninsel Madeira werden, in einem speziellen Verfahren, die typischen Madeira Weine hergestellt. Nicht so bekannt wie Portwein oder Sherry, aber eine Vielschichtigkeit die begeistert und eine Langlebigkeit, die beeindruckt. Wir waren – als wir im Februar noch reisen durften – für Sie vor Ort und haben getestet.

Nur 25 Minuten von der Maderischen Hauptstadt Funchal entfernt, aber für Autofahrer, die keine steilen und engen Straßen gewohnt sind eine Herausforderung, liegt in dem Dorf Camara dos Lobos das Weingut Barbeito.

Ein futuristisch anmutender Bau und eigentlich auch weniger Weingut als mehr Weinproduktion und Weinkeller. Denn die einzige kleine Weinparzelle vor Ort, befindet sich direkt am Weinlager und beherbergt deren 23 Rebstöcke. Nicht gerade üppig, doch recht typisch für Weinproduktion auf Madeira. Die produzierenden Weingüter arbeiten mit etlichen kleineren Weinbauern zusammen, von denen manche sogar nur einen Rebstock ihr eigen nennen können.

Vinhos Barbeito mit einer Jahresproduktion von knapp 200.000 Flaschen gehört zu den kleineren Produzenten des Eilandes. Neben den drei großen Erzeugen Henriques & Henriques, Justinos und der Madeira Wine Company gibt es kaum noch unabhängige Familienbetriebe, die auch exportieren.

„Alles fing im Jahr 1946 an, als Mário Barbeito de Vasconcelos sich dem Maderischen Wein verschrieb und Vinhos Barbeito gründete“, so Leando Gouveia, der Shop Manager. „Seitdem ist es immer von Mitgliedern der Familie geführt worden. Jetzt leitet der Enkel Ricardo Diogo Vasconcelos de Freitas die Geschicke des Unternehmens und dies recht erfolgreich“.

Wie erfolgreich er das Weingut entwickelt hat, zeigt sich seit knapp dreißig Jahren.

Für den Ausbau des Weingutes besorgte er sich zuerst Kapital und ging bereits 1991 ein Joint Venture mit der Familie Kinoshita ein, mit der schon seit vielen Jahren eine enge wirtschaftliche und persönliche Beziehung bestand. Dann folgten weitere Schritte. Zunächst die Entscheidung keine billige Fassware mehr zu exportieren und ein kla- res Portfolio an Madeiraweinen, welches sich durchaus von den anderen Produzenten unterscheidet. Und schließlich der entscheidende Faktor für einen Qualitatsanstieg und Ausbau der Produktion, der Bau der modernen Kellerei in Camara dos Lobos.

Doch das ist nicht der einzige Weinkeller in denen das flüssige Gold gelagert wird. Vinhos Barbeito lässt ihre Madeiras in drei Kellern reifen. Der älteste wurde bereits 1940 erbaut. In den Kellern herrschen auf- grund der unterschiedlichen Bauweisen an- dere Temperaturen und Temperaturunterschiede, was den Reifeprozess beeinflusst und eine individuelle Note beifügt. Barbeito nutzt diese Eigenschaften gekonnt, um Aromen gezielt auszubilden. Nebst der Temperatur sind Oxidation und die Wahl der Fässer maßgebend, wie sich die Süße und die Säure im Lauf der teilweise jahrelangen Reifung entwickeln.

Dies konnten wir bei unserer Besichtigung und Führung durch den Weinkeller und der Produktionsstätte zum einen direkt mitbekommen, aber – was natürlich noch besser war – bei der anschließenden Verkostung auch rausschmecken.

Leando Gouveia kredenzte uns deren 13 Madeiras, vom einfach trinkbaren Rainwater bis hin zu dem 50jährigen Barbeito, der aus der Bastardo Traube hergestellt wird. Nicht nur geschmacklich ein Regenbogen an Facetten, sondern auch preislich. Wir bewegten uns zwischen 7,90 Euro bis 450,00 Euro.

Dabei war recht schnell ersichtlich, dass der Barbeito-Stil durch die Bank weg von einer feinen Eleganz getragen wird. Weniger süß und pappig, kommt er mit einer eleganten Struktur daher.

Die Weine sind vielschichtig und aufgrund des Lagerverfahrens auch fast immer komplett oxidiert. Deshalb ist eine angebrochene Flasche – sollte sie denn nicht gleich getrunken werden, was schwer fällt nicht zu tun – ein gutes Jahr haltbar und verliert während dieser Zeit auch nicht an Aromen.

Die Weine sind auch recht flexibel einsetzbar: Die leichteren eignen sich insbesondere als Digestif und zum Dessert. Wir haben sie auf der Insel aber auch zum Käse und die süßeren Vertreter zur Schokolade genossen. Das waren schon einzigartige Geschmackserlebnisse. Und, was noch hinzu kommt, so Leandro Gouveia:“In der guten Küche werden sie sehr gerne für kreative Soßen eingesetzt“. Das durften wir einige Tage später in einem Restaurant genießen.

 

INFO:

Madeira wird, anders als Sherry oder Port- wein, überwiegend nach Rebsorten abgefüllt.

Sercial ist dabei eher die trockene Variante, Verdelho und Boal sind habtrocken oder halbsüß und die Malvasia wird als sehr süß abgefüllt. Seinen hohen Alkoholgehalt von 18 – 21% Vol. mit gleichzeitiger Süße erhält der Madeira durch die Zugabe von Wein- brand, mit dem die Gärung gestoppt wird.

Vor der Abfüllung wird der Wein mehrere Jahre in großen Eichenfässern gereift, wo er auch die oxidative Note erhält.

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