Wein für Fortgschrittene…nichts für blutige Anfänger

Wein für Fortgeschrittene!

Der Weinhof Uibel in Ziersdorf/Österreich ist eine Klasse für sich: Klein aber fein. Wir sprachen mit Winzer Leo Uibel darüber, warum seine Weine Unikate sind.

„Alle Wege führen zu einem Ziel, auch Umwege!“ Mit einem Rucksack und einer ordentlichen Portion Neugier brach Leo Uibel in jungen Jahren auf, um auf Weltreise zu gehen. Dabei schaute er auch ein halbes Jahr in Kalifornien den Winzern über die Schulter. Das Thema Wein kannte er schon von klein auf, wuchs er doch in einer Winzerfamilie auf. Allerdings stand ihm nicht der Sinn danach, nur das väterliche Gut zu übernehmen und alles wie gehabt fortzuführen, das war dem kreativen Kopf zu langweilig. So sammelte er auf seiner Reise Inspirationen wie andere Muscheln und als ihm das Schicksal nach seiner Rückkehr nach Österreich die richtige Frau über den Weg laufen ließ, da waren die Würfel gefallen.

Das Paar kaufte sich 2007 einen alten Bauernhof mit einigen kleinen Weingärten. „Wir haben ganz klein angefangen. Doch die 60 Jahre alten Weingärten boten eine tolle Basis zum Experimentieren“, erinnert sich Leo Uibel. Der erste Wein hieß „HUNDSBERG“, an steiler Hanglage angebaut, nur einen Katzensprung vom Dorf entfernt. „Der Boden war schwierig zu bearbeiten, mit dem Pferd die Steilhänge zu bewirtschaften eine Herausforderung.“ Doch das Resultat lohnte die Mühen. Uibel schenkte seiner Umgebung eine ganz neue Idee vom Veltliner ein! Vollmundiger, eigenwilliger, einfach anders als die anderen. „Dabei kreierten wir den Wein komplett in Handarbeit – vom Anfang bis zum Schluss! Das machen wir bei all unseren Weinen und das schmeckt man auch!“

Der Ansatz war es, nicht gefällige Weine herzustellen, die jedem schmecken. „Wenn unser Wein jedem schmeckt, dann haben wir etwas falsch gemacht. Wir stellen Weine für Fortgeschrittene her.“ Dazu ist eine sehr strenge selektive Handlese vonnöten, bei der kleinen Anbaufläche kennt Uibel praktisch jede individuelle Pflanze und kann ihr die individuelle Pflege angedeihen lassen, die sie braucht. Der Winzer achtet auf die Balance der Weinstöcke und bewirtschaftet seine 7,3 Hektar Rebfläche biodynamisch nach den Prinzipien von Rudolph Steiner, im Einklang mit dem Jahresrhythmus.

Ab mitte September wird es dann spannend. Beim Kontrollgang durch die Weinberge guckt Leo mit Argusaugen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte? „Man muss punktgenau pflücken, zwei Tage zu früh und die Trauben haben nicht die optimale Reife. Zwei Tage zu spät, und eine Tieffront lässt die reifen Trauben teilweise aufplatzen.“ Der 45-Jährige hat inzwischen viel Erfahrung und ein gutes Näschen dafür, den richtige Zeitpunkt zu wählen. Er kennt die mikroklimatischen Eigenheiten und die geologischen Diversitäten seiner Weingärten und kann folglich in neuralgischen Momenten punktgenau reagieren. Die dauerbegrünten Böden und das darunter liegende Gestein sind übrigens, obwohl allesamt in einem Radius von nur einem Kilometer um das Weingut, erstaunlich differenziert unterschiedlich. Leo empfindet dies als Privileg und baut Veltliner in fünf verschiedenen Varianten aus. Dazu kommen ein Chardonnay und ein Pinot Noir.

„Wein ist ein sehr komplexes Thema. Ich versuche immer die Essenz der Sorte und die Handschrift des Weinviertels heraus zu keltern. Hinzu kommt die Wahl des Fasses. Ob Eichen- oder Granitfass – auch dies verändert das Aroma. Doch die wichtigste Zutat bei guten Weinen ist Zeit – und zwar viel davon!“ Indem er sie gewährt, kreiert Uibel eine natürliche Harmonie, die schnell vinifizierte Weine nie entwickeln können. Seinen Grünen Veltliner „Katzensprung“ beispielsweise zeichnet ein juvenil-hefig geprägter und überaus pikanter Aromenbogen aus – von Birne, rosa Pfeffer und Feuerstein, mit röstig-würzigen Noten, sehr feinen Linien; glockenklaren, dabei cremig unterlegten Noten von Kernobst und Zesten, dunkler Kräuterpikanz, nach hinten gewohnt kühl-mineralischem Zug bei präsenter Säure, mit viel Spannung und Kraft bis zum Finish.

„Ich experimentiere immer wieder aufs Neue, mit kurzen oder längeren Maischestandzeiten, mit spontaner Vergärung, langem Hefekontakt möglichst in Holzfässern. Jedes Mal gebe ich meinen Weinen dadurch neue Nuancen, die einfach spannende Geschmackserfahrungen ergeben!“ Aber grundsätzlich ist er stets darauf bedacht, bekömmliche, lebendige, geradlinige und doch anspruchsvolle Weine zu keltern. Sorgfalt, Wissen und Erfahrung sind dabei das Handwerkzeug des Winzers.

„Der Motor unseres Lebens ist die Inspiration, die wir durch die Schönheit der Natur bekommen. Die Schönheit der Natur und die vielen kleinen Details, an denen wir Gefallen finden, sind doch die Nahrung für unsere Seele. All den wundervollen Dingen der Natur und ihren Erzeugnissen sollten wir auch die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen.“

Weitere Informationen: www.uibel.at

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